Ein neues Kapitel in der amerikanischen Geschichte wurde gestern mit der Amtseinführung des neuen amerikanischen Präsidenten Barack Obama aufgeschlagen. Nicht nur in Washington, sondern überall auf der Welt erwarteten viele Menschen mit Spannung, wie der Präsident den in der Verfassung vorgesehenen Amtseid - "and will to the best of my ability, preserve, protect and defend the Constitution of the United States" - ablegen und was er in seiner anschließenden Rede sagen würde. Auch die 150 Gäste der Atlantischen Akademie, von denen sich einige mit einem Stehplatz begnügen mussten oder auf dem Boden sitzend die Rede verfolgten, wurden nicht enttäuscht. Der neue Präsident, der bei der Eidesformel kurz ins Stocken geriet, hielt eine großartige Rede. Darüber bestand auch unter den Zuhörern in Kaiserslautern Einigkeit.
Begonnen hatte das public viewing der Inaugurationsfeierlichkeiten um 17 Uhr mit einem Kurzvortrag des Münchner Historikers Christof Mauch (Foto links), der das von ihm gerausgegebene Buch " Wettlauf um die Moderne Die USA und Deutschland 1890 bis heute" vorstellte. Das Besondere an dem Buch: Die einzelnen Kapitel wurden jeweils von einem deutschen und einem amerikanischen Wissenschaftler gemeinsam verfasst. Bis auf das letzte Kapitel, das der frühere Außenminister der rot-grünen Koalition Joschka Fischer gemeinsam mit der Außenministerin der Clinton-Administration Madeleine Albright verfassen wollte. Daraus wurde nichts, und so wurde das Kapitel von Joschka Fischer allein geschrieben. Das muss kein schlechtes Omen sein. Auf die Frage, was sich mit Obama im transatlantischen Verhältnis verändern könnte, erwähnte Christof Mauch die "muppet shows", wie die von Madeleine Albright abgehaltenen Telefonkonferenzen mit ihren Kollegen in Europa scherzhaft genannt wurden. Er sehe Chancen, dass die Abstimmung zwischen den Außenministern wieder so gut werde wie zur Zeit der Clinton-Administration, so Mauch nach der Obama-Rede, deren wichtigste Passagen er den Zuhörern kurz erläuterte.
"Amerika - Immer eine Nasenlänge voraus?", hieß es in der Einladung der Atlantischen Akademie zu diesem Vortrag mit public viewing. Mit jedem Satz der Rede Obamas wurde deutlich, dass sich daran auch in den nächsten Jahren wenig ändern könnte. "Angesichts der aktuellen Finanz- und Wirtschaftkrise stellt sich die Frage, welche der beiden Gesellschaften es mit welchen Mitteln besser schafft, diese Krise zu überwinden: der Wettlauf um Ideen, Tatkraft und Innovationskraft verspricht spannend zu werden", so der Direktor der Atlantischen Akademie Dr. Werner Kremp (Foto links). Die Rede zur Amtseinführung gab erste Hinweise darauf. Es scheint dem neuen amerikanischen Präsidenten gelungen zu sein, die Bürgerinnen und Bürger seines Landes um sich zu versammeln. Nicht um Krieg zu führen, sondern um gemeinsam mit den Partnern der Vereinigten Staaten in Europa und anderen Regionen der Welt die aktuelle Krise zu überwinden.
Die Inauguration Address in Text und Bild sowie frühere Reden von amerikanischen Präsidenten findet man auf der Seite des Miller Center of Public Affairs.
Christof Mauch, Kiran Klaus Patel (Hrsg): Wettlauf um die Moderne. Die USA und Deutschland 1890 bis heute, Paperback, Klappenbroschur, 480 Seiten, ISBN: 978-3-570-55069-4, € 16,95. Verlag: Pantheon, 2008. Eine Leseprobe aus dem Buch findet man auf der Seite des Verlages.
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