Rückblick auf das Jahr 2010
Allgemeines Die Mitarbeiter der Atlantischen Akademie haben ein ereignisreiches Jahr hinter sich. In der Leitung der Akademie fand ein Stabwechsel statt vom Gründungsdirektor der Akademie, Dr. Werner Kremp, der in den Ruhestand ging, zu Wolfgang Tönnesmann, der bereits seit 2006 als Studienleiter tätig war. Neuer Studienleiter ist Dr. David Sirakov von der TU Kaiserslautern.
Zentrales Ereignis des Jahres 2010 war die feierliche Verabschiedung des langjährigen Direktors der Atlantischen Akademie, Dr. Werner Kremp, am 3. März 2010 in der Fruchthalle der Stadt Kaiserslautern. Die Wertschätzung für den scheidenden Direktor und die Arbeit der Akademie lässt sich an der Zahl der Ehrengäste aus nah und fern ablesen, darunter der Ministerpräsident des Landes Rheinland-Pfalz, Kurt Beck, der Botschafter der Vereinigten Staaten, Philip D. Murphy, der Oberbürgermeister der Stadt Kaiserslautern, Dr. Klaus Weichel, sowie Generalkonsul Edward M. Alford aus Frankfurt. Die "Kaiserslautern Military Community" war ebenfalls gut vertreten. Zahlreiche Wissenschaftler, mit denen die Akademie über viele Jahre schon zusammenarbeitet, waren gekommen. Auch in der politischen Bildung spiele Kaiserslautern in der ersten Liga, stellte Oberbürgermeister Dr. Klaus Weichel fest, während der Botschafter und der Ministerpräsident die Bedeutung der transatlantischen Beziehungen unterstrichen. Die hohen Gäste sorgten für viel Aufmerksamkeit und eine ausführliche Presseberichterstattung zusätzlich zu den Berichten über die Pressekonferenz mit dem Vorsitzenden der Atlantischen Akademie, Staatsminister Karl Peter Bruch, wenige Tage vor der Amtsübergabe. (Hier können Sie die Reden von Werner Kremp und Wolfgang Tönnesmann nachlesen.)
Veranstaltungen Die Atlantische Akademie ist ihrem Auftrag, das gegenseitige Verständnis und die wechselseitige Kenntnis von Amerikanern und Deutschen zu fördern, im Jahr 2010 durch ein breites Angebot von Veranstaltungen nachgekommen. Bei den Veranstaltungen hat die Akademie mit zahlreichen Institutionen und Einrichtungen kooperiert und unterschiedliche Zielgruppen angesprochen. Insgesamt kamen ca. 3.400 Menschen mit der Akademie in Kontakt, sei es als Teilnehmer an einem Seminar oder an einer Vortragsveranstaltung, sei es als Schüler in einem Workshop oder als Besucher des Infostandes der Atlantischen Akademie beim Rheinland-Pfalz-Tag in Neustadt. Damit erreichte die Atlantische Akademie Bürger, die einfach nur an den USA interessiert sind, Lehrer, die sich um ihre Weiterbildung kümmern, Studierende, die bei den USA und den transatlantischen Beziehungen einen Schwerpunkt setzen wollen, oder Fachleute, die an bestimmten Fragen wie der Gesundheitsreform in den USA oder der Behandlung von Menschen mit Behinderungen interessiert sind.
Eine der wichtigsten Veranstaltungen war wie in den Jahren zuvor die 20. Frühjahrsakademie Sicherheitspolitik, die in 2010 der Frage gewidmet war, was aus der "Theorie des demokratischen Friedens" nach dem Ende der Bush-Ära wird. Geleitet wurde die Akademie von Professor Berthold Meyer von der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung und von Wolfgang Tönnesmann. Die Veranstalter konnten ausgezeichnete Referenten gewinnen, darunter aus den USA Professor Bruce Russett von der Yale University sowie Tom Carothers von der Denkfabrik "Carnegie Endowment for Peace" in Washington. Professor Meyer hat einen 156-seitigen Bericht über die Veranstaltung zusammengestellt, der von der Homepage der Atlantischen Akademie herunter geladen werden kann. Die Veranstaltung wurde von der Bundeszentrale für politische Bildung gefördert, deren Tagungsbetreuer Ernst-Ulrich Stricker die Akademie als "besonders hochwertige und anspruchsvolle Bildungsmaßnahme" einstufte.
Zweitwichtigste Veranstaltung war unsere Summer School in der letzten Juliwoche in der Pfalzakademie in Lambrecht. Auch hier handelt es sich um eine besonderes Lernerlebnis, wenn man an vier Tagen mit jeweils vier Vorträgen über unterschiedliche Aspekte des amerikanischen politischen Systems informiert wird. Studierende aus Deutschland, Österreich und Polen, Lehrkräfte, aber auch politische und wissenschaftliche "Laien" nahmen an der Veranstaltung teil. Am letzten Tag fand eine Exkursion zur Airbase in Ramstein statt, in diesem Jahr erstmals in Verbindung mit einem Besuch einer vom docu center Ramstein gestalteten Ausstellung zum Abtransport der Giftgaswaffen aus der Pfalz. Gerade die jüngeren Teilnehmer zeigten sich davon sehr beeindruckt.
Zwei weitere Veranstaltungen seien noch erwähnt: Das Seminar über Menschen mit Behinderungen in Deutschland und den USA, das vom Behindertenbeauftragen des Landes Rheinland-Pfalz Ottmar Miles-Paul tatkräftig unterstützt wurde. Behinderte und ihre Vertreter nahmen teil. Als Referenten konnten wir Bill und Vicki Bruckner aus San Francisco gewinnen, die selbst betroffen und schon lange in der transatlantischen Behindertenarbeit tätig sind. Wir haben mit der Veranstaltung Neuland betreten und konnten erstmals testen, was es bedeutet, wenn Menschen mit Rollstuhl zu unserer Veranstaltung kommen, eine Gruppe, die wir bislang nicht gezielt angesprochen haben.
Neuland haben wir auch mit der Kooperationsveranstaltung mit der Europäischen Akademie Otzenhausen betreten, dem "1. Europäisch-Amerikanischen Dialog", der von dem ehemaligen Direktor und jetzigen Berater der Atlantischen Akademie, Dr. Werner Kremp, angeregt wurde. Auch hier konnten wir exzellente Referenten gewinnen, die den europäischen Einigungsprozess mit dem allmählichen Werden des amerikanischen Bundesstaates im 19. und 20. Jahrhundert verglichen sowie die Probleme in den aktuellen Beziehungen darstellten. Auch wenn wir nicht ganz die Zielgruppe erreicht haben, die wir uns bei der Planung erhofft hatten, nämlich junge Entscheidungsträger und Mitgestalter, wollen wir die Veranstaltung im kommenden Jahr doch fortsetzen.
Schließlich sollten noch die Workshops erwähnt werden, die in diesem Jahr nicht so intensiv nachgefragt und durchgeführt wurden wie in den vergangenen Jahren. Aber hier bieten wir mit den Workshops des Pianisten Jens Barnieck und des Kunsthistorikers Martin Haen Themen an, die über die politische Bildung der Atlantischen Akademie hinausgehen. Erwähnt werden soll auch das Workshopangebot von Jörg Zorbach über Deutsch-Amerikanische Freundschaft.
Kooperationspartner
Ein derartig anspruchsvolles Veranstaltungsprogramm könnte eine so kleine Einrichtung wie die Atlantische Akademie nicht durchführen ohne Kooperationspartner. An erster Stelle muss das US-Generalkonsulat in Frankfurt genannt werden, und dort Dr. Gerhard Wiesinger, mit dem wir auch in 2010 ausgezeichnet zusammen gearbeitet haben. Insbesondere wenn es um die Rekrutierung von amerikanischen Referenten für unsere Veranstaltungen geht, ist die Unterstützung aus dem Konsulat für uns unerlässlich. Auch bei der Konzeption und Planung von Kooperationsveranstaltungen wirkt Dr. Wiesinger in der Regel mit. Für das nächste Jahr haben wir bereits Veranstaltungen mit dem Generalkonsulat und Herrn Wiesinger geplant. Leider hat die Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (HSFK) die Zusammenarbeit bei der Frühjahrsakademie beendet. Als Grund nannte Professor Dr. Harald Müller eine neue Schwerpunktsetzung in der Arbeit der HSFK. Zu diesem Entschluss hatte sicher auch beigetragen, dass der langjährige Betreuer und Leiter der Frühjahrsakademie, Professor Berthold Meyer, in den Ruhestand gegangen war und von den jüngeren Wissenschaftlern an der HSFK niemand in der Lage war, die zeitintensive Zusammenarbeit mit der Atlantischen Akademie fortzusetzen.
Aus der Fülle der verschiedenen Kooperationspartner seien noch zwei genannt: Das docu center Ramstein mit seinem Leiter Michael Geib, mit dem wir in diesem Jahr erstmals am 4. September die Ramsteiner Gespräche durchgeführt haben. Die Zusammenarbeit ist längerfristig angelegt und könnte davon profitieren, wenn die Pläne für das docu center Ramstein in den nächsten Jahren umgesetzt werden. Es wäre wünschenswert, wenn sich Besucher der Airbase in Ramstein, wie die Teilnehmer unserer Summer School, auch ein Bild über die Entwicklung der Airbase machen könnten, indem sie das docu center besuchen. Als guter Erfolg darf auch die Zusammenarbeit mit dem Deutsch-Amerikanischen und Internationalen Frauenclub (DAIFC) in Kaiserslautern bei der Durchführung der Feier zum Deutsch-Amerikanischen Tag am 2. Oktober gewertet werden, zu dem 150 Besucher in den Hörsaal der Atlantischen Akademie kamen. Bei dieser von der DAIFC-Präsidentin Bruni Pütz angeregten Veranstaltung wurden zwei Männer ausgezeichnet, die sich um die deutsch-amerikanische Zusammenarbeit in Kaiserslautern verdient gemacht haben: der Vorstand der Technischen Werke Kaiserslautern, Wolfgang Herzog, und der Sergeant der U.S. Streitkräfte, Terence DeLay.
Veröffentlichungen Wichtigste Veröffentlichung der Atlantischen Akademie ist unsere Homepage, die wir in diesem Jahr gründlich haben überarbeiten lassen, so dass nun auch eine Registrierung und Kommentierung von Inhalten möglich ist. Dank der Homepage kann man sich nun ein umfassendes Bild von unserer Arbeit machen, Seminarprogramme einsehen und herunterladen und Bände aus der Reihe "Atlantische Texte" bestellen.
In der Reihe "Atlantische Texte" sind in diesem Jahr dagegen gleich vier Bände neu erschienen. Bei dem Band "The Role of Religion in American Presidential Rhetoric. A Comparative Analysis of Speeches by John F. Kennedy and George W. Bush" handelt es sich um die überarbeitete Dissertation der Autorin Sonja Schwarz. Als nächster folgte der von Werner Kremp, Roland Paul und Helmut Schmahl herausgegebene Band "Pälzer in Amerika", der mit Unterstützung der Kulturstiftung des Landes Rheinland-Pfalz herausgeben wurde. Von aktuellem Interesse sind auch der von Werner Kremp, Berthold Meyer und Wolfgang Tönnesmann herausgegeben Band über die NATO mit dem Titel "Entangling Alliance. 60 Jahre NATO. Geschichte - Gegenwart - Zukunft" sowie der von Söhnke Schreyer und Jürgen Wilzewski herausgegeben Band "Weltmacht in der Krise? Die USA am Ende der Ära George W. Bush". Die Bände können über unsere Homepage online bestellt werden. Im kommenden Jahr sind zwei Publikationen geplant, über die Präsidentschaft Obamas und die Progressive Bewegung in den USA.
Bibliothek Unser Sorgenkind ist die Bibliothek, die "American Library", auch wenn wir hier im Jahr 2010 Fortschritte gemacht haben. Mit der Überlassung von 10.000 Bänden aus einer amerikanischen Standortbibliothek an die Stadt Kaiserslautern und dem Auftrag an die Atlantische Akademie, daraus eine "American Libary" zu machen, sind wir vor eine fast unlösbare Aufgabe gestellt worden. Einmal eignet sich der uns zur Verfügung gestellte Raum, der ehemalige Saal des Landgerichts, aus statischen Gründen nicht für eine Bibliothek. Zum anderen fehlt es uns an kompetentem Personal zur Einarbeitung der Titel. Zwar hat die Botschaft sich großzügig gezeigt und uns 2009 einen Förderbetrag für die Anschaffung der Hard- und Software zur Verfügung gestellt. Doch beim Personal mussten wir uns bislang mit Honorar- und Aushilfskräften begnügen. Auch die Stadt Kaiserslautern hat sich großzügig gezeigt bei der Anschaffung des Mobiliars für den Hörsaal, der auch für städtische Veranstaltungen inzwischen rege genutzt wird. Doch bei der Einarbeitung der Titel kommen wir nur langsam voran. Trotzdem sind wir im Jahr 2010 vorgeprescht: Am 2. Oktober haben wir aus Anlass des Deutsch-Amerikanischen Tags mit der Ausleihe begonnen. Am 14. Dezember haben wir einen vorweihnachtlichen Bücherbasar durchgeführt, bei dem wir - wie schon beim Rheinland-Pfalz-Tag - einen Teil der Bände antiquarisch verkaufen konnten.
Personal
Die Atlantische Akademie versucht ihren Aufgaben mit einem kleinen Team gerecht zu werden. Nach dem Wechsel in der Leitung wurde die Stelle des Studienleiters mit Dr. David Sirakov von der TU Kaiserslautern nach kurzer Pause zum 1. April 2010 neu besetzt, zunächst nur halbtags, ab 1. August 2010 auch ganztags. Das hat für Entspannung im Haushalt der AA gesorgt, aber auch für Mehrbelastung der übrigen Mitarbeiter. Tatkräftig unterstützt wurden wir in 2010 wieder durch Praktikanten, darunter eine amerikanischen Praktikantin aus Puerto Rico, die von der Steuben-Schurz-Gesellschaft vermittelt wurde, sowie eine Praktikantin einer Berufsfachschule, die sich in der Bürokommunikation als sehr versiert erwies. Die Praktikantenstelle ist bereits bis Oktober 2011 besetzt. Für die Bibliothek konnten wir Miriam Grün als Aushilfskraft mit 6 Stunden pro Woche befristet einstellen.
Ausblick und abschließende Bemerkung Die Atlantische Akademie ist eine vielseitige Institution: ein wenig Verlagshaus, Denkfabrik, Anbieter von politischer Bildung, ein Ort, an dem man Meinungen und Ideen austauschen kann und wo man lehren und lernen kann, alles in Verbindung mit einer kleinen deutsch-amerikanischen Bibliothek. Wir werden dieser Vielfalt an Aufgaben auch im kommenden Jahr versuchen gerecht zu werden, durch Seminare, Vorträge und Publikationen. Wir freuen uns, dass wir im kommenden Jahr einiges für die Beziehungen von Rheinland-Pfalz und South Carolina tun können, denn von der dortigen Francis-Marion-University hat sich Professor George Harding für einen längeren Aufenthalt im Rahmen seines Forschungsfreisemesters angesagt. Wir werden versuchen, vieles von dem fortzuführen, was die Atlantische Akademie bisher ausgezeichnet hat. Für Ideen und Vorschläge sind wir offen: Die deutsch-amerikanischen Beziehungen sind so vielfältig, dass sie manche, bislang noch unerkannte Bezüge bergen.
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