Atlantisches Forum: Das Ende der transatlantischen Partnerschaft? Normativer Wandel und die Desintegration von Sicherheitsgemeinschaften

Kennziffer:

19-002

Referent:

Prof. Dr. Simon Koschut, Freie Universität Berlin

Termin:

Dienstag, 15. Januar 2019, 18.00-19.30 Uhr

Ort:

TU Kaiserslautern, Geb. 57, Raum/Room 208/210 (Rotunde)

Partner:

Politikwissenschaft II, TU Kaiserslautern

Zielgruppe:

Alle Interessierten

Ihr Beitrag:

keiner

Beschreibung:

Desintegration – der Zerfall von Sicherheitsgemeinschaften, die als stabile Regime des Friedens gelten — ist ein Thema, das vor dem Hintergrund des Brexit, die Diskussionen um den G7- Gipfel oder die mit der Begründung der „Sicherung der nationalen Sicherheit“ vom US-Präsidenten Donald Trump geführten Handelskriege mit Europa aktueller denn je geworden ist. Wie lässt sich der Zerfall von Sicherheitsgemeinschaften erklären? Steht die transatlantische Sicherheitsgemeinschaft vor dem Zerfall? 

Prof. Dr. Simon Koschut untersucht in seinem Vortrag das Auseinanderbrechen überstaatlicher Sicherheitsgemeinschaften am Beispiel des nordatlantischen Militärbündnisses NATO, das seit 1949 besteht. Der Deutsche Bund (1815-1866), ein unbeständiges Verteidigungsbündnis zwischen den souveränen Fürsten und freien Städten Deutschlands nach den napoleonischen Eroberungskriegen, dient als historische Vergleichsfolie. Simon Koschut legt grundlegende Zerfallsmechanismen offen, identifiziert damit zusammenhängende Bedingungen und erklärt beispielhaft Krisen wie auch Brüche von Verteidigungsgemeinschaften. Im Verfall gemeinsamer Normen erkennt er den Hauptgrund für Zerwürfnisse zwischen Bündnispartnern. Akteurinnen und Akteure mit Handlungsmacht innerhalb der verbündeten Staaten und Regierungen oder innerhalb sozialer Bewegungen würden den Wandel der Normen bestimmen und, so Koschuts These, eine Schlüsselrolle für die Stabilität der transatlantischen Sicherheitsgemeinschaft spielen.

Referenten

Prof. Dr. Simon Koschut

Simon Koschut ist Gastprofessor für Internationale Beziehungen und Europäische Integration am Otto-Suhr-Institut an der Freien Universität Berlin.

Zuvor war er im Rahmen eines Fritz Thyssen Stipendiums am Weatherhead Center for International Affais an der Harvard Universität, als Akademischer Rat an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und als Juniorprofessor in Vertretung an der Freien Universität Berlin. Er ist einer von vier Sprechern der Themengruppe „Normenforschung in den Internationalen Beziehungen“ der Deutschen Vereinigung für Politikwissenschaft (DVPW).

 

 

 

Seine aktuellen Veröffentlichungen umfassen Friendship and International Relations (mit Andrea Oelsner, Palgrave Macmillan 2014) sowie verschiedene Artikel im Review of International Studies, Cambridge Review of International Affairs und Cooperation and Conflict. Sein neues Buch Undoing Peace: Normative Change and the Disintegration of Security Communities ist bei Palgrave Macmillan 2016 erschienen.

Simon Koschut wurde an der Universität Potsdam promoviert und habilitiert. Er studierte Politikwissenschaften und Nordamerikastudien in Berlin, Potsdam, Chapel Hill und Bonn.