26-0616
Dr. Jan Busse, Universität der Bundeswehr München
Dienstag, 16. Juni 2026, 18.00 Uhr
RPTU, Campus Kaiserslautern
Gebäude 42, Hörsaal 42-115
alle Interessierten
Politikwissenschaft, RPTU Kaiserslautern-Landau
Der Vortrag untersucht die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 als jüngstes Kapitel einer langen Geschichte politisch aufgeladener Weltturniere. Ausgangspunkt ist die These, dass Weltmeisterschaften nie „nur Sport“ sind, sondern immer auch Bühnen staatlicher Macht und politischer Inszenierung. Der Fußball ist nicht nur auf dem Platz umkämpft. Immer wieder geht es auch um politische Deutungskämpfe und Folgen, die weit über das Spiel hinausgehen.
Auf der Grundlage einer kritischen Auseinandersetzung mit der Politisierung des Fußballs im Kontext der WM 2026 zeigt der Vortrag, dass die Verbindung von politischer Macht und dem modernen Fußball kein Phänomen, das erst durch die jüngsten Eskapaden der FIFA in den Fokus rückte. Vielmehr reicht diese Linie von Mussolinis faschistischer Propaganda-WM 1934 über die Imagepolitik der argentinischen Militärjunta 1978 bis zur WM in Russland 2018 unter Putin und den Kontroversen um die Weltmeisterschaft in Katar 2022, wo Fragen von Repression, Menschenrechten und Sportswashing kontrovers diskutiert wurden.
Die WM 2026 findet zu einem Zeitpunkt in Nordamerika stattfindet, wo US-Präsident Trump sowohl innenpolitisch wie auch international etablierte Normen und Gewissheiten zerstört. Die mit 48 Teams größte WM aller Zeiten sein ist daher schon vor dem Anpfiff deutlich politisiert: Präsident Trump hat eine eigene White-House-Task-Force eingerichtet, Stars wie Christiano Ronaldo und Lionel Messe haben Berührungsängste zum US-Präsidenten, und FIFA-Chef Gianni Infantino sucht demonstrative Nähe zu Trump und zeichnete ihn 2025 sogar mit einem FIFA-Friedenspreis aus.
Gerade an der WM 2026 lässt sich erkennen, dass die Nähe der FIFA zu autoritären Herrschern kein Randphänomen, sondern struktureller Bestandteil ihres Politikverständnisses ist. Von dieser Inszenierung profitieren beide Seiten: Politische Macht erhält eine weltweite Bühne, während die FIFA ihren Einfluss, ihr symbolisches Kapital und ihre ökonomischen Interessen absichert. Die Machtverhältnisse sind jedoch nicht festgeschrieben. Die Geschichte hat immer wieder gezeigt, dass Fans selbst die Macht haben, das subversive Potenzial des Fußballs zu nutzen, um Missstände und Fehlentwicklungen anzuprangern.

(c) Universität der Bundeswehr München
arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur für Internationale Politik und Konfliktforschung. Er verfügt über einen Master-Abschluss in Global Politics von der London School of Economics and Political Science (LSE) und einen Bachelor-Abschluss in Politikwissenschaft von der Universität Bielefeld. Von 2014 bis 2020 war er Ko-Direktor des Israeli European Policy Network, und von 2017 bis 2022 war er Mitglied der Arab German Young Academy of Sciences and Humanities.
Von 2025-2027 hat Dr. Jan Busse gemeinsam mit Prof. Dr. Bernhard Stahl (Universität Passau) die geschäftsführende Herausgeberschaft der Zeitschrift für Internationale Beziehungeninne. [Text: Uni BW].