Seminarbericht: Rheinland-Pfalz, Deutschland und Amerika 

Ein Seminar für amerikanische und deutsche Studenten

23. Februar bis 25. Februar 2018 in Steinbach am Donnersberg

Bericht von Nicole Meier, Praktikantin

Vom 23. bis 25.02.2018 trafen sich deutsche und amerikanische Studierende mit Vertretern der Atlantischen Akademie Rheinland-Pfalz e.V. und des Verbandes Deutsch-Amerikanischer Clubs (VDAC), um gemeinsam über die deutsch-amerikanischen Beziehungen und aktuelle Politikgeschehnisse zu diskutieren. Neben Vorträgen zu den Themen Populismus, den Wahlsystemen und außenpolitische Perspektiven, wurden die gemeinsamen Essen und Exkursionen zum gegenseitigen Kennenlernen genutzt. Bei einer Stadtführung durch die Altstadt Kaiserslauterns erlangten die Studierenden einen Einblick in die Geschichte der Stadt und lernten unter anderem, dass die strategische Lage der Stadt historisch wiederholt für Aufruhr sorgte. Für eine weitere Abwechslung und zugleich Vermittlung kultureller Werte aus Rheinland-Pfalz sorgte das gemeinsame Mittagessen im Spinnrädl.

Nachdem sich die Teilnehmer am frühen Freitagnachmittag in der Jugendherberge Steinbach am Donnersberg eingefunden hatten und eine kurze Begrüßung und Einführung von Sarah Wagner, Bildungsreferentin der Atlantischen Akademie, stattfand, begann das Programm mit einem Vortrag von Professor Gerd Mielke. Der Wissenschaftler der Universität Mainz legte die Unterschiede und Gemeinsamkeiten des deutschen und amerikanischen Regierungssystems dar und unternahm den Versuch, einen Vergleich der politischen Orientierungen innerhalb der Bevölkerung zu unternehmen. Prof. Mielke betonte, dass die unterschiedlichen Wahlsysteme zu einer Variierung der politischen Repräsentation innerhalb der Bevölkerung führen würden. So werde zum Beispiel in den USA, durch das Majority Rule-System, immer ein finaler Kandidat/eine Kandidatin aus einer der beiden Parteien für das Amt des Präsidenten gewählt werden. Im Vergleich dazu wären durch den Prozess der Proportional Representation in Deutschland mehrere Parteien an der Regierungsfindung beteiligt, welche folglich zunächst durch Verhandlungen zu einem Konsens gelangen müssen, aber in der Folge nicht alle Parteien an der Regierungsbildung mit einschließt. Zudem ging Prof. Mielke genauer auf die Funktion der einzelnen Regierungsinstanzen ein und erläuterte u.a. dass die Amtszeiten der Abgeordneten im House of Representatives, des Senats und des Präsident selbst mit einem Abstand von jeweils zwei Jahren variieren. Professor Mielke beendete seinen Vortrag mit der These, dass die Politik eines Landes von der Repräsentationszufriedenheit und Gesinnung seiner Bevölkerung abhängig ist. Er wies darauf hin, dass rechte Bewegungen, wie der Einzug der AfD in den Bundestag auf den Bestand einer autoritären Subkultur hinweisen, die jedoch nicht nur unter älteren, daher womöglich eher traditionell gestimmten Generationen Ausdruck findet, sondern ebenso unter den jüngeren Generationen.

Gestärkt durch das Abendessen wurde der zweite Teil des akademischen Programms eingeläutet. Gordon Friedrichs von der Universität Heidelberg referierte zum Thema Außenpolitik und beschäftigte sich in seinem Vortrag mit der Zukunft der transatlantischen Beziehungen, indem er die Studierenden mit den politischen Institutionen der USA vertraut machte. Er erläuterte die institutionelle Macht des Präsidenten und des Kongresses, unter Berücksichtigung von Entwicklungen die auf  innerparteiliche Einigkeit oder Uneinigkeit hindeuten. Die Auswirkungen des Iran Nuclear Deals würden zeigen, dass diese Entwicklungen einen gravierenden Einfluss auf die U.S. Außenpolitik haben, der mögliche Wandlungen im außenpolitischen Handlungsspektrum darstellte. Das Zusammenspiel von Polarisierung und Populismus in den USA seien von besonderer Bedeutung, da sie die Erwartungen an die Außenpolitik vor eine große Herausforderung stellen.

Der zweite Tag unseres Seminars begann mit einer Diskussionsrunde zum Thema Transatlantic Narratives, geleitet von Sarah Wagner von der Atlantischen Akademie. Zunächst wurde die Rolle der Atlantischen Akademie erläutert, die sich aus dem interkulturellen Dialog zwischen den amerikanischen Militärs und deutschen Ortsansässigen in Rheinland-Pfalz als vermittelnde Bildungseinrichtung etablierte. In dem anschließenden Brainstorming in Kleingruppen diskutierten die Gruppen die unterschiedliche Bedeutung von transatlantischen Narrativen unter sich und trugen ihre Ergebnisse anschließend im Plenum wieder zusammen. Hierbei fiel das Augenmerk auf den Vorteil den die Technologie der Gegenwart bietet, um die transatlantischen Beziehungen deutlich zu verbessern. Da sich die jüngeren Generationen kaum mehr mit den Narrativen der Vergangenheit (Kalter Krieg, Rosinenbomber, Fall der Mauer) identifizierten und die USA eher in einem global-kritischen Kontext (Irak-Krieg, NATO) sehen, gab es eine angeregte Diskussion über die verbindenden und trennenden Elemente in den transatlantischen Beziehungen. Betont wurde hier vor allem die Bedeutung von Austauschprogrammen, die es den Studierenden erlauben, als Botschafter/in des eigenen Landes zu agieren und das neue Wissen und die neuen Erkenntnisse auch wieder mit in die USA zu nehmen. Ebenso wurde angemerkt, dass in einer zusehends globalisierten Welt verschiedene und miteinander verwobene Narrative vielleicht auch dominanter werden, als lediglich bilaterale Beziehungen.

Zum Mittagessen fuhr die gesamte Gruppe anschließend in die Innenstadt von Kaiserslautern, wo sich die Teilnehmer bei traditioneller Pfälzer Küche und herzlicher Atmosphäre untereinander angeregt austauschten. Hier kam es auch zu einem Treffen mit dem „Deutsch-Amerikanischen Internationalen Frauenclub Kaiserslautern“. Die Präsidentin des DAIFC, Christine Schneider, stellte die Arbeit des Clubs vor und betonte die lange transatlantische Geschichte der Kaiserslautern Military Community. Darauf folgte eine Stadtführung durch die geschichtsträchtige Altstadt. In der Stadtführung wurde auch auf die Rolle der USA in der Region und in Rheinland-Pfalz eingegangen. Wie verändert die Stationierung von amerikanischen Soldaten das Stadtbild? Welche Einwirkungen hat die Militärpräsenz auf die lokale Wirtschaft? Nachdem diese und viele weitere Fragen geklärt wurden, ging es zurück in die Jugendherberge und dort begann dann der zweite Teil des Tages; die Vorführung des Kurzfilms „Leben auf dem Pulverfass“ diente als Grundlage für eine tiefere Auseinandersetzung mit dem Thema der Deutsch-Amerikanischen Freundschaft in Rheinland-Pfalz.

Mit Anbruch des letzten Seminartages referierte Dr. David Sirakov über das Thema Populismus. Nachdem zunächst eine Definition des Begriffes erarbeitet wurde, sprach Dr. Sirakov über den Einfluss des Populismus‘ auf die aktuelle politische Debatte und dessen zunehmende Präsenz in vielen Staaten weltweit. Hier sind auch Deutschland und die USA zu nennen aufgrund immer stärker werdender populistischer Kandidaten, Bewegungen und Parteien. Generell könne man sagen, dass der Populismus in Krisenzeiten, die vor allem durch soziale Ungerechtigkeit geprägt sind, stark an Unterstützern gewinnt. Die populistischen Parteien profitierten von der Idee eines gemeinsamen politischen Gegners (bspw. politische oder wirtschaftliche Eliten, aber auch Einwanderer), die das politische System bedrohten. Dabei gehe es den Populisten um die Behauptung, dass ausschließlich sie den Volkswillen kennen und repräsentieren würden. Diese anti-pluralistische Haltung, so Dr. Sirakov, sei mit Blick auf die Grundlagen westlicher Demokratien letztlich anti-demokratisch. In diesem Zusammenhang erklärte Dr. Sirakov, dass es den Populisten dabei immer wieder gelinge, Angst in der Bevölkerung zu schüren, um diese dann zu ihrem eigenen Vorteil nutzen zu können. Als einen positiven Effekt des Populismus kann jedoch gesehen werden, dass alte, etablierte Parteien „gezwungen“ würden, ihre Agenda zu überdenken und mögliche politische Veränderungen vorzunehmen.

Mit einer gemeinsamen Diskussion und einer abschließenden Gesprächsrunde wurde das VDAC-Seminar 2018 in Steinbach beendet.